Tenno

Japan-Rundreise 2018 – Tag 15 – In Tokio

15. Tag: Tokio entdecken

Rund um Tokio erstreckt sich die bevölkerungsreichste Metropolregion der Welt. Je nach Definition leben ca. 40 Millionen Menschen in den vier Millionenstädten Tokio, Yokohama, Kawasaki, Saitama und drum herum.
Die Geschichte an diesem Ort beginnt schon in der Steinzeit. 1457 wurde durch den damaligen Daimyo die Edo-Burg errichtet, die 150 Jahre später mit dem Ort von Shogun Tokugawa Ieyasu übernommen wurde. Dieser bestimmte Edo zur Hauptstadt des seines Shogunats und erweiterte den Ort. Dabei entstanden etwas wohlhabende Viertel (Yamanote) und normale Viertel (Shitamachi). In der Zeit des Tokugawa-Shogunats mussten die Daimyo (Provinzfürsten) ihre Familien hier ansiedeln und die Hälfte ihrer eigenen Zeit in Edo verbringen. Dementsprechend wurde viel Platz benötigt. Nach dem Ende des Shogunats kam der Tenno mit seinem Gefolge nach Edo und benannte den Ort in Tokio um.

Wie in vielen Städten wurden Tempel und Schreine außerhalb des Stadtzentrums angesiedelt (Teramachi). Da häufig nach Naturkatastrophen neu gebaut werden musste, konnte immer wieder neu auf neue Erfahrungen und auch westliche Baustile zurückgegriffen werden. Tokio hat dadurch in vielen Teilen ein westliches Antlitz. Nach dem schweren Kanto-Erdbeben 1923 wurde die Stadt schwer verwüstet. Um 1930 entstanden daher 200.000 Gebäude neu. Im zweiten Weltkrieg wurde Tokio durch Bombardements der Amerikaner in Mitleidenschaft gezogen. Neben dem Kaiserpalast wurden ganze Stadtteile mit Holzbauten vernichtet.
Zu dieser Zeit existierte Tokio als Stadt bereits nicht mehr. Aus dem 35 Statdbezirken wurden per Erlass 23 Bezirke, die wie eigene Städte agieren. Einer der bekanntesten dürfte Shibuya sein. Dort befindet sich die aus Dokumentationen bekannte ‚Alle-Gehen‘-Kreuzung, über die in Stoßzeiten bis zu 15.000 Menschen gleichzeitig gehen.
Viele dieser Menschen sind Sarariman (engl. Salaryman (salary – Gehalt)) und kyaria uman (engl. career woman) also typische Bürohengste und Businesskasper. Diese Art Anstellung ist einst für Japaner ein Traumjob gewesen. Aus europäischer Perspektive ist der Job vermutlich nicht so interessant. Viele dieser Leute arbeiten deutlich länger, als es gesund ist. Seit mehr als 25 Jahren gibt es mit ‚karoshi‘ eine Bezeichnung für Todesfälle, die durch Überarbeitung hervorgerufen werden. Besonders reich wird man bei keinem der Jobs, die Kluft zwischen arm und reich ist in Japan dafür vergleichsweise gering. Anders als in Deutschland ist es nicht verwerflich auf der Arbeit ein kleines Nickerchen (inemuri) zu machen. Dieses Powernapping zeichnet einen hart arbeitenden Menschen förmlich aus.

Am Ausgang des Bahnhofes Shibuya (Hachiko-Exit), direkt an der Kreuzung, steht ein Denkmal für ‚Hachiko‚, einen japanischen Akita-Hund, der ein Musterbeispiel für die Treue von Hunden ist. Hachiko war der Hund eines Universitätsprofessors und holte diesen regelmäßig vom Bahnhof ab. Auch nach dessen Tod fand sich der Hund über 10 Jahre pünktlich am Bahnhof ein, um vergeblich auf die Ankunft des Herrchens zu warten. Das Originaldenkmal von 1934 wurde zur Kupfergewinnung im Krieg eingeschmolzen, seit 1948 gibt es eine neue Skulptur.

Tablet und Internet immer noch kaputt. Tokio nicht. Das Bild entstand abends an der großen Kreuzung in Shibuya. Hachiko war auch da, außerdem tausende Menschen.

Daneben hat Tokio eine unfassbare Anzahl an weiteren Sehenswürdigkeiten, auf dem Programm stehen der Meiji-Schrein und eine Bootsfahrt auf dem Sumida-River, von Bord sollte auch der Kaiserpalast sichtbar sein.

Ein Schreintor (Tori) des Meji-Schreins. Der Tenno in der Zeit der Meji-Restauration hat das Land von der Feudalzeit in die Moderne geführt und das in Rekordzeit. In ganz Japan wird er daher verehrt.

Später geht es nach Asakusa mit dem bekannten Kannon-Tempel (Sensoji). Nachdem im Jahr 628 an dieser Stelle von 3 Fischern eine Kannon-Statue gefunden wurde, errichtete man diesen Tempel. 1642 brannte er das erste Mal ab, wurde jedoch immer wieder aufgebaut.

Der buddhistische Tempel ist der Statue gewidmet. Nebenan gibt es auch noch einen shintoistischen Schrein, der den Fischern gewidmet ist.

Vom Tempel ist es nicht weit bis zum Skytree. Mit dem Zug ist es nur eine Station.

Schlusspunkt ist der Besuch des Tokio-Skytree. Der Turm ist das aktuell zweithöchste Gebäude der Welt und der derzeit höchste Fernsehturm. Je nach Wetter ist von hier der Fuji zu sehen. Der Bau ist 634 Meter hoch, die Zahl ist – wie vieles in Japan – mit Symbolik beladen. Die Anfangssilben (6=muttsu, 3=sa 4=shi) der einzelnen Ziffern ergeben zusammen Musashi einen alten Namen für die Gegend um Tokio.

Der erdbebensichere Turm hat einen dreieckigen Sockel. Der eigentliche Turm ist mit dem sichtbaren Geflecht aus Stahlelementen umgeben.

Die höchste Aussichtsplattform ist 450 Meter hoch, bei 350 m befindet sich ein Restaurant. Die Preise sind recht beeindruckend, günstiger geht der Blick auf Tokio vom 45. Stock des Tokyo Metropolitan Government Building (Rathaus, 243 m hoch). Dort kann man sich einen kostenfreien Blick über die Stadt verschaffen.

Blick über Tokio aus 350m Höhe. Der Andrang für die Auffahrt auf 450m war wegen des Dunstes gering (+1000 Yen). Der grüne Fleck hinten in der Mitte gehört zum Kaiserpalast, die Hochhäuser links im Hintergrund stehen im Westen u.a. in Shinjuku. Mit dabei das Metropolitan Government Building.

Der nächtliche Blick vom Metropolitan Government Building über Tokio. Die Wartezeit war moderat (10 Minuten). Die passende Station ist Tochomae.

Wenn man weiter Kosten sparen will, begibt man sich mit der Yamanote-Line (Suica-, Pasmo- oder andere IC-Card) auf eine Rundfahrt um die Kernstadt. Die 34 Kilometer lange Ringbahn führt an den meisten Sehenswürdigkeiten im Stadtgebiet vorbei. Die Linie ist hellgrün markiert und befördert täglich 3 Millionen Fahrgäste. Für eine Runde benötigt man ca. 1 Stunde. Einer der Bahnhöfe ist Shinjuku, mit täglich 3 Millionen Passanten der belebteste Bahnhof der Welt. Ist man mit der Bahn unterwegs gilt zu beachten, das Nachts keine Züge fahren und die letzten Züge häufig voll – wie auch die Fahrgäste – sind. Will man es etwas ruhiger in der (Vorort-)Bahn haben, tun es die Lokalzüge besser, die nicht so überfüllt wie die Expresszüge sind. Die Fahrpreise sind abhängig von der Streckenlänge. Bis 6 km werden 170 Yen (1,30€) fällig. Als Tourist und innerhalb der Stadt ist es schwer die 1590 Yen (12€) einer Tageskarte abzufahren, daher nimmt man besser eine IC-Card.

Tokio ist der Ort für ein Mitbringsel. Es scheint nicht viel dieser westlichen Malls wie die Aqua City Odaiba, zu geben, dafür jede Menge Viertel und Straßen mit Einzelhändlern.
Otakus (japanische Nerds), Manga- und Technikfreunde werden in Akihabara oder Nakano fündig, während in Ginza besonders teure Boutiquen zu finden sind. In Shibuya (mit der großen Kreuzung) sollten junge Leute auf ihren Geschmack kommen – hier befindet sich auch das Tokio 109 ein Riesenmodetempel – und in Kappabashi kann man sich Plastiknachbildungen der japanischen Küche beschaffen. Daneben gibt es auch noch Ameyoko, das sich seinen nachkriegszeitlichen Schwarzmarktcharme bewahrt, das eher gefährliche Vergnügungsviertel Kabukichou bei Shinjuku, Ikebukuro mit der Sunshine City (Pokemoncenter) oder Sugamo mit besonders vielen Geschäften für die ältere Generation. Diese sollte man nicht unterschätzen. Das Durchschnittsalter der Japaner ist 46 Jahre, die Lebenserwartung beträgt über 80 Jahre. Damit hat Japan die älteste Gesellschaft der Welt. Das ist eines der Probleme, welches durch eine niedrige Geburtenrate verstärkt wird. Erstaunlicherweise ist eines der nächsten Probleme die hohe Jugendarbeitslosigkeit.
Um das Abendessen müssen wir uns heute nicht kümmern.

Akihabara ist laut und grell und wohl etwas länger wach als andere Einkaufsorte.

In Kappabashi ist schon um 17:00 Uhr nichts mehr los. Hier bekommt man alles für die Küche und auch die Nachbildungen von Speisen, die gerne statt einer herkömmlichen Speisekarte gezeigt werden. Ein Burger kostet allerdings ca 27 €, das Original 2,3 € (BigMac in Nagoya).

Teurer als die Kunststoffnachbildungen in Kappabashi kann das Kaufhaus Mitsukoshi in Ginza. Das Luxuskaufhaus bietet in seiner Lebensmittelabteilung 2 Mangos für 130 € an. Das Bild zeigt die bekannte Kreuzung in Ginza.

Die Takeshita-Street für junge Menschen. Gleich um die Ecke beim Bahnhof Harajuku gab es heute Bilder von bekannten japanischen Idols zu kaufen. Die Warteschlange war ca. 100 m lang.

Menschen überqueren die Shibuya-Kreuzung. Auf den Bildern (hier aus dem Starbucks aufgenommen) sieht die Kreuzung größer aus als in der Realität. Direkt gegenüber wartet Hachiko.

Irgendjemand hat dem treuen Hachiko (siehe oben) ein paar Katzen untergeschummelt. Um 17 Uhr findet man kaum einen Augenblick um den Hund ohne Extra-Mensch (Selfie) zu fotografieren.


Wissenswertes :

Beginn der Kirschblüte Tokio: 17. März

Geodaten:
Karte Tokio / geo:35.683889,139.774444
Karte Shibuya-Kreuzung / geo:35.6594,139.7008
Karte Meiji-Schrein / geo:35.676192,139.699317
Karte Asakusa / geo:35.716677,139.796637
Karte Sensoji / geo:35.713207,139.795457
Karte Tokio-Skytree / geo:35.709947,139.810853

Quellen:
Quellenverzeichnis

Japan-Rundreise 2018 – Tag 07 – Richtung Nagasaki

7. Tag: Von Koya-san nach Nagasaki

Frühaufsteher können – sofern der Jetlag bereits verdaut ist – an den Shingongshu-Ritualgebeten in Koya-san teilnehmen. Die im 9.Jhd. entstandene buddhistische Schulrichtung entstammt der Begegnung des Mönchs Kukai mit dem chinesischen Buddhismus. Durch Unterstützung des Kaisers (Tenno) wurde er einflussreich und errichtete den ersten Teil des Shingongzentrums in Koya-san.

Nach dem vegetarischen Abendessen gestern gab es heute ein ebenso vegetarisches Frühstück. Die meisten gewürzverwöhnten Europäer machen hier ‚lange Zähne‘. Was sehr lecker zubereitet aussieht, entpuppt sich als Tofu mit Naturgeschmack.

Die sauer eingelegte Pflaume Umeboshi platziert in weißem Reis. Die japanische Nationalflagge.

Nach der Reise in die buddhistische Vergangenheit und einem Besuch des bekannten Friedhofs Oku-no-in geht es wieder in die Moderne.

Viele Firmen lassen die Asche ihrer Angestellten auf dem Friedhof bestatten. Somit sind sie näher an den Bodhisattvas, die ihnen auf ihrem Weg helfen. Hier das Denkmal für Mitarbeiter der Kirin-Brauerei (Logo links, kleine Bierdose in der Mitte)

Zuerst bringt uns der Bus nach Osaka und dort geht es mit dem Superexpresszug Shinkansen nach Nagasaki.

Die Strecke ist 700 km lang, mit dem Expresszug ist man in 5:30 Stunden da. Auch wenn es sich anbietet, ist Essen in Lokalzügen (aber auch im Gehen) in Japan verpönt. Telefonieren und laute Gespräche sind ebenfalls keine guten Begleiter. Man sitzt und wartet geduldig. Die Züge fahren zeitweise im 20 Minuten-Takt und sind voraussichtlich sehr pünktlich.

Wir nehmen den Sakura-Superexpresszug 555, der uns bis nach Hakata bei Fukuoka bringt. Von dort geht es mit einem normalen Expresszug nach Nagasaki. Nett ist die Markierung in den Farben der Kirschblüte. Dieser Zug fährt stündlich.

Die für den Bahnbetrieb notwendigen Regeln und das angeborene Pflichtbewusstsein der Japaner sind ein Traumpaar.

Das Bahnsteigpersonal beim Shinkansen-Ballett. Dieser Kollege nimmt seinen Job gewissenhaft war. Der Zug soll, nein wird um 11:52 Uhr fahren.

Anders als in Deutschland ist das Eisenbahnnetz sehr zergliedert, die Japanische Staatsbahn wurde 1987 zerschlagen. Es gibt mehr als 100 verschiedene Bahnbetreiber. Diese Zergliederung setzt sich auch in der verwendeten Technologie fort. Während es in Deutschland praktisch nur ein Bahnstromsystem (ohne S-Bahn) gibt (16kV,16 2/3 Hz), existieren in Japan mehr als 5 verschiedene Systeme mit Spannungen zwischen 1,5 kV und 25 kV. Dabei wird sowohl Gleichstrom als auch Wechselstrom (50/60 Hz) verwendet. Hinzu kommen verschiedene Spurweiten, allgemein wird eine schmalere Spur als in Deutschland verwendet. Für das separate Netz der Shinkansen (das Wort bedeutet ’neue Stammstrecke‘) wird die Normalspur 1435mm genutzt.

Der 555 (links) steht schon im Bahnhof. Das GPS zeigt im Schnitt 260 km/h an. Das Fahrziel ist Kagoshima im Süden Kyushus.

Da die Züge ein eigenes (eingezäuntes) Netz nutzen, Wartungsarbeiten in der Betriebsruhe durchgeführt werden und das Personal sehr diszipliniert arbeitet, sind die Züge konkurrenzlos pünktlich und sicher. Die Wikipedia listet lediglich 8 Unfälle auf, von denen 4 auf geologische Aktivitäten zurückzuführen sind. Die Trennung der Netze zwischen den Betreibern, aber auch die unterschiedliche die Technik, unterstützen die Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs. Störungen an Strecken wirken sich kaum überregional aus.

Von Hakata nach Nagasaki. Dieser Expresszug ist mit ca. 120 km/h unterwegs und nicht ganz so komfortabel wie ein Shinkansen.

Kyushu ist mit 13 Mio. Einwohner auf 36.000 km² Fläche* sehr dicht besiedelt, obwohl hier mehrere aktive Vulkane ihr Unwesen treiben. Zur Region der drittgrößten der Hauptinseln gehören weitere 2150 Inseln. Die bekanntesten Städte sind Fukuoka, Nagasaki und Kagoshima. Das Verkehrsnetz der Insel ist über bis zu 19 km lange Tunnel mit Honshu verbunden.

Zum Verkehsnetz der Hafenstadt gehört auch die Straßenbahn. Dazu in einigen Tagen mehr.

Im südlichen Teil der Insel herrscht schon subtropisches Klima, die Kirschblüte beginnt dort (Kagoshima, 19.3) eher als in den nördlicheren Landesteilen.

In Nagasaki auf der drittgrößten japanische Hauptinsel Kyushu wird es 3 Übernachtungen geben. Für den Abend gibt es kein Programm, wir werden uns in Shinchimachi, einem der ältesten chinesischen Stadtviertel (Chinatown) ein Abendbrot suchen.

In Shinchimachi schließen die Lokale früh (21:00 Uhr). Da wir bei 20°C noch einen umfangreichen Spaziergang Richtung ‚Nagasaki Seaside Park‘ unternahmen, kam das Abendessen aus dem Supermarkt. Dieser hat, falls es noch keiner mitbekommen hat, die aktuelle Kirschblütenvorherage für Japan ausgehängt.


Wissenswertes :

*) 14 mal so groß wie das Saarland

Beginn der Kirschblüte Nagasaki : 17. März

Geodaten:
Karte Kyushu / geo:32.5,131

Quellen:
Quellenverzeichnis

Shintoismus – Buddhismus

Shintoismus – Buddhismus

Der Shintoismus geht auf den urjapanischen Kami-Glauben zurück. Dabei können Götter, Menschen, Gegenstände, Schwerter, Spiegel, Berge, Bäume, Flüsse – alles Verehrbare (kami) – die Projektionsfläche des Glaubens sein. All diese Dinge gelten als beseelt und werden respektvoll behandelt.
Die Kami werden in Shinto-Schreinen verehrt, die durch die bekannten Torii erreicht werden. Die heiligen Gegenstände heißen shintai und werden von der Schreingottheit bewohnt. Man bewahrt diese Gegenstände in einem Gebäude auf. Sie werden – außer bei Prozessionen – praktisch nie gezeigt (Ausnahme Fushimi Inari Schrein, Tag 6). Ein shimenawa – ein kunstvoll aus Reisstroh geflochtenes Götterseil – symbolisiert die Anwesenheit der Göttlichkeit.
In Japan gibt es 90.000 Schreine unterschiedlicher Größe. Schreine liegen oft an einer Anhöhe und sind am Schreintor (torii) zu erkennen. Mit wenigen Ausnahmen gibt es diese torii nur an shintoistischen Schreinen.
Die Besonderheit, dass viele Spiegel und Schwerter verehrt werden, geht auf eine Mythologie zurück, bei der die Sonnengöttin Amaterasu mit Hilfe eines Spiegels aus einer Erdhöhle gelockt wird. Ihr Bruder Susano-o schenkte ihr ein Schwert (Ame no murakomo no tsurugi) als Entschuldigung dafür, dass er ein Pferd nach ihr geworfen hatte. Der Ur-Ur-enkel von Amaterasu ist der erste Tenno (660 v.u.Z.). Spiegel und Schwert sollen zu den Throninsignien des Tennos gehören.
Der Shintoismus teilt sich auf in den Schrein-Shintoismus, bei dem die kami verehrt werden und den Sekten-Shintoismus. Hierbei handelt es sich um viele verschiedene Richtungen, bei denen eine Heilslehre o.ä. verfolgt wird. Oberhaupt der Shintoreligion will der Tenno sein, jedoch ordnen sich nicht alle Schreine dem unter.

Der Buddhismus hat seine Ursprünge im Norden des heutigen Indiens, und entstand um 400 v.u.Z. Über China und Korea erreichte die Religion 800 Jahre später Japan. Während in China und Indien dem Buddhismus aus anderen Religionen Konkurrenz erwuchs, konnte er sich in Japan gut ausbreiten und wurde besonders während des Shogunats gefördert.

Der Buddhismus verkürzt bedeutet etwa: ‚Alles Irdische ist endlich und führt zu Leid, nur die Einsicht in die Wahrheit des Buddhas führt zur Unendlichkeit und befreit vom Leid. An sich ist man im ewigen Kreislauf des Irdischen gefangen, sollte aber danach streben, den Kreislauf zu verlassen und das Nirwana zu erreichen.‘ Die höchste Daseinsform ist der Buddha.
Es gibt eine Unzahl an buddhistischen Schulen und Richtungen. Üblicherweise sind diese tolerant, auch gegenüber anderen Göttern (z.B: kami), nur nicht gegenüber intoleranten Religionen (siehe Tag 9, Christenkonflikt). Buddhistische religiöse Stätten sind Tempel, man erkennt sie an der Endsilbe -ji, -in oder -san. Diese dienen den Mönchen zur Ausübung ihrer Arbeit und zum Wohnen. Der Tourist sieht oft nur die Buddhastatuen oder die Gebäude von außen.
Tempel haben meist einen quadratischen Grundriss, mit 4 Toren und Wächterfiguren, Haupthalle, Pagode (es gibt auch Schreine mit Pagoden), Glocke und Nebengebäude. Viele dieser Gebäude sind aus Holz gebaut und widerstehen damit besser Erdbeben.
Daneben gibt es in vielen Tempeln shintoistische Schreine, die den Gottheiten gewidmet sind, die den Tempel beschützen. Einige Tempel besitzen auch die aus dem Shintoismus bekannten Torii.

Besonders in der Zeit des Shogunats wurde jedoch der vor 1700 Jahren eingeführte Buddhismus gefördert (Koya-san, Tag 6). Erst mit der Meiji-Restauration wurde versucht, den Shintoismus wieder zu fördern.
Beide Hauptreligionen koexistieren heute, wobei der Buddhismus weiter verbreitet scheint. Durch chinesische Einflüsse sind beide Religionen mit Elementen des Daoismus und Konfuzianismus versetzt.

Bedienungsanleitung für Schreine und Tempel

Das Ritual beim Besuch von Schreinen und Tempel ist sehr ähnlich, die wichtigsten Punkte kann man so zusammenfassen:

Das Gelände wird durch ein Tor (tori)  betreten, das rechts und links von Wächterstatuen (Hunde) bewacht wird. Kopfbedeckungen werden abgenommen und man verbeugt sich. Hier verlässt man die irdische Welt und betritt die Sphäre des Gottes. Das geöffnete und geschlossene Maul der Wächter deutet auf den Anfang und das Ende hin. Passiert man das Tor, so sollte man sich an den Seiten aufhalten, die Mitte ist für die Gottheit reserviert. Das gilt z.T. auch für Treppen.
Üblicherweise folgt eine Waschstelle, die in bestimmter Reihenfolge genutzt wird: Linke Hand mit der Kelle abspülen, rechte Hand, Mund (ohne Kelle zu berühren), wieder linke Hand und anschliessend die Kelle säubern. Somit ist die notwendige Reinheit für die weiteren Schritte gegeben.

Nur bei Tempeln folgt jetzt der Weihrauch, der heilende Kräfte verbreitet. Dazu legt man ein kleines Geldstück ab, nimmt ein Räucherstäbchen, entzündet dieses, steckt es in den Sand und löscht die Flamme durch Fächeln. Wedelt man den entstehenden Rauch zu sich, werden die heilenden Kräfte aktiviert.

Jetzt kann man zum eigentlichen Schrein oder Tempel gehen. Dort wirft man ein kleines Geldstück in die dafür vorgesehene Kiste, verbeugt sich (Tempel), betätigt die Klingel (Schrein 1-2 mal, Tempel 2-3 mal). Damit wird die Gottheit gerufen. Im Schrein folgen 2 Verbeugungen und zweimaliges Händeklatschen (damit wird die Gottheit auf einen aufmerksam gemacht). Mit geneigtem Haupt und gefalteten Händen wird lautlos ein anstehender Wunsch vorgetragen. Hier sollte man auch einen Dank nicht vergessen. Im Anschluss erfolgt eine weitere Verbeugung.

Verlässt man später das Gelände wieder, dreht man sich nach Passieren des Tors sich noch einmal um und verbeugt sich.

Auf dem Gelände kann man kleine vorbedruckte Holztafeln (ema) kaufen (500 Yen), auf denen weitere Bitten formuliert werden können. Diese werden vor Ort aufgehängt und von Zeit zu Zeit abgemacht und verbrannt. Der Rauch gelangt in den Himmel zur Gottheit. Diese versteht alle Sprachen und tut ihr Bestes. Mit einem Wunschbrief (kigabun) wird ähnlich verfahren, dort wird meist noch etwas Geld eingesteckt.
Daneben gibt es verschiedene Glücksbringer, die nach Themen sortiert (z.B. yakujo – Übel abwenden) erworben werden können. Manchmal gibt es auch Wahrsagungen, die neben Segnungen auch Flüche (oft um Neujahr) enthalten. Flüche kann man sofort an Wand oder Baum binden. Bei nächster Gelegenheit werden diese verbrannt und beseitigen (hoffentlich) den Fluch.

Mit einem optionalen Siegelbuch kann man auf Stempeljagd gehen und sich bei jedem größerem Schrein oder Tempel ein neues Souvenir holen. Diese Stempel gibt es auch an anderen Sehenswürdigkeiten oder Bahnhöfen.

Ein buddhistischer Tempel hat noch eine Glocke, die bei Alarm oder zur Meditation geschlagen wird. Wenn beim Jahreswechsel die Glocke 108 mal angeschlagen wird, sollen damit die 108 irdischen Sünden des letzten Jahres vertrieben werden. Seit Ende 2017 verlangen Geldautomaten von 7-Eleven bei Geldausgaben bis 20.000 Yen eine Gebühr von 108 Yen. Bestimmt kein Zufall, sondern eine Sünde … (ja,ja 8% Umsatzsteuer)

Shogunat

Mit dem Shogunat werden die Zeitabschnitte der japanischen Geschichte bezeichnet, in den die Regierungsgewalt statt vom Tenno, von Shogunen ausgeübt wurde. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Militärregierung.

Von 1185 bis 1333 führte das Kamakura-Shogunat. Der schwache Tenno ernannte Minamoto no Yorimoto zum Seji Taishogun, ein Titel, der später vererbt wurde. Japan wurde von den Shogunen aus Kamakura regiert. Shugo, später Daimyo, sicherten die Aufsicht der Provinzen. Nach den mongolischen Invasionsversuchen verlagerten sich die Machtverhältnisse wieder zum Tenno. Legitime, jedoch nicht erbberechtigte Kinder verschiedener Tennos wurden der Familie Minamoto zugeordnet.

1333-1336 Kemmu-Restauration. Der Tenno versuchte erfolglos die Kaiserherrschaft wieder herzustellen, verursachte dabei jedoch die Spaltung des Kaiserhofes, die 60 Jahre andauerte.

1338-1573 Das Muromachi- bzw. Ashikaga-Shogunat übernahm die Macht, konnte sie aber nicht festigen. In der Folge zersplitterte die Macht, viele Kriege und Schlachten waren die Folge.

1573-1603 In der Azuchi-Monoyama-Zeit konnten die Provinzen wieder zusammengeführt werden, die Samurai bekamen mehr Macht.

1603-1867 Tokugawa- oder Edo-Shogunat. Nach der Befriedung des Landes und dem weitreichenden Einreiseverbot für Ausländer isolierte sich Japan bis zur erzwungenen Öffnung durch die Amerikaner 1853.

1868 beendete die Schlacht von Toba-Fushimi zwischen dem letzten Shogun und dem Tenno Meiji das Shogunat. Die Autorität des Shogunat hatte in den letzten 15 Jahren (Bakumatsu) durch die Öffnung nachgelassen.

Daimyo waren Stellvertreter des Shogun in den jeweiligen Provinzen und wurden mit Grundbesitz ausgestattet. Um zu verhindern, das die Daimyo allzu große Selbständigkeit erlangten, mussten sie in der Edo-Zeit ihre Familien als Geisel beim Shogun lassen und wurden regelmäßig zur Berichterstattung in die Hauptstadt zitiert. Je nach dem Verhältnis der Daimyo zum Tokugawa-Shogunat wurden sie in verschiedene Klassen eingeteilt. Die unterste Schicht (Tozama-Daimyo), die kein Amt im Shogunat erhielten, löste auch den Staatsstreich nach der Öffnung Japans aus.

Kurze Geschichte Japans

Eine kurze Geschichte Japans

etwa 15000 v.u.Z. : Jomon-Periode, erste Menschen eingewandert
ab 900 v.u.Z. : Yayoi-Periode, japanische Bronze- und Eisenzeit

In die Yayoi-Periode fällt das offizielle Gründungsdatum Japans 660 v.u.Z.. Hier beginnt auch die Geschichte der legendären Tennos. Gesicherte Erkenntnisse über die Tennos gibt es jedoch erst ab dem 5.Jhd. Die Amtszeit eines Kaisers wird immer mit einer Bezeichnung (nengo) versehen. Diese wird bei vielen Zeitangaben genutzt (z.B. Meiji-Zeit). Auch wenn die Tennos nicht die Regierungsgewalt ausübten, werden diese Bezeichnungen verwendet. Der aktuelle Tenno Akihito wird im April 2019 abdanken. Das Motto seiner Amtsperiode lautet Heisei (平成, Frieden überall)

ab 300 v.u.Z. : Kofun-Periode, Aufkommen des Shintoismus, Yamato-Reich entsteht im Süden Honshus und Kyushus
nach 300 : Yamato-Reich erobert Teile Koreas, dadurch Handelsbeziehungen auf den Kontinent, chinesische Einflüsse auf japanische Kultur, Übernahme des Buddhismus, Etablierung des ersten Staatswesens.
nach 600 : erste Verfassung, erste Münzen
ab 710 : Nara-Periode, Zentralstaat wird gegründet, Hauptstadt ist Nara (Tag 3). In vielen Teilen des Staatswesens wurde eine Rechtsordnung nach chinesischem Vorbild eingeführt.
nach 794 : Heian-Periode, Kyoto wird Hauptstadt (Tag 4-6), faktische Machtübernahme durch die Adelsfamilien Fujiwara, Taira und Minamoto
nach 1185 : Kamakura-Periode, Minamoto no Yorimoto wird 1192 zum Shogun und installiert die Zeltregierung (bakufu), Beginn des Shogunats, der Kaiser hat keinen Einfluss mehr, Kamakura wird Hauptstadt (Tag 14).
nach 1280 : scheitern mongolische Invasionsversuche, einer durch einen Sturm (kamikaze – Götterwind)
nach 1333 : Muromachi-Periode, 60 Jahre lang existieren zwei Kaiserhöfe (Nord/ Süd), während des Ashikaga-Shogunats wird Kyoto erneut Hauptstadt, viele Kriege zerrütten bis 1570 das Land.
um 1540 : die ersten Portugiesen kommen nach Japan, Anfang der Christianisierung
1590 wird das Reich durch Hideyoshi wieder befriedet, es folgen mehrere erfolglose Versuche Korea zu erobern.
1603-1868 : Tokugawa oder Edo-Periode. In dieser Zeit wurde Edo, aus dem das heutige Tokio hervorging, Hauptstadt. Mit 250 Jahren die bislang längste Friedensperiode in Japan.
1637 Shimabara-Aufstand, Bauernaufstand in der Folgezeit schottet sich Japan von außen ab. (Tag 8)
1854-1867 : Amerikanische Schiffe (4 schwarze Schiffe, kurobune) erzwingen Öffnung Japans, die schwache Reaktion des Shogunats führt zur Abschaffung desselben
1868 bis 1912 : Meiji-Periode, Reformation Japans, Machtverluste der Samurai, Neuorganisation des Gemeinwesens, Übernahme großer Teile des deutschen BGB und anderer Rechtsvorschriften aus verschiedenen Ländern.
um 1900 : Japan sah sich in Konkurrenz zu Europa und strebte eine expansive Entwicklung an.
1894 : Japanisch-Chinesischer Krieg, Taiwan und Liaodong wurden besetzt
1905 : Russisch-Japanischer Krieg um Einfluss in Korea und der Mandschurei
1914 : In der Taisho-Zeit nahm Japan am ersten Weltkrieg teil und profitierte von der Niederlage Deutschlands
1926 bis 1989 : Showa-Zeit mit Kaiser Hirohito. In dieser Zeit wuchs der japanische Imperialismus rasant, wurde zerschlagen und Japan reformiert.
1937 : Japanisch-Chinesischer Krieg als Teil des zweiten Weltkriegs mit 20 Millionen Opfern
nach 1945 : Nachkriegsverfassung, der Tenno bekommt rein symbolische Aufgaben, Japan entwickelt sich zu einer der größten Wirtschaftsmächte
1989 – heute : Heisei-Zeit mit Kaiser Akihito, große Wirtschaftskrise (Ushinawerata Nijunen – Zwei verlorene Dekaden) um die Jahrtausendwende.

Japan ist heute der demokratischste Staat in Ost- bzw. Südostasien.

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