Shogunat

Japan-Rundreise 2018 – Tag 09 – Nagasaki

9. Tag: Hafenstadt Nagasaki

Aus einem kleinen Fischerdorf entstand nach der Landung der Portugiesen 1543 die Hafenstadt Nagasaki. Sie wurde Ausgangspunkt der Mission der Katholiken und wichtiger Standort für den Handel mit den Portugiesen. Die Christianisierung war in den ersten Jahren erfolgreich, vermutlich hatten es getaufte Oberschichtjapaner leichter, im lukrativen Import-/ Exportgeschäft mitzumachen.

Plüschnachbildungen des Castella (Sponge Cake). Portugiesen brachten die Urform des Kuchens (Kuchen aus Kastilien) nach Nagasaki. Hier wurde er abgewandelt und eine lokale Spezialität. An jeder Ecke wird einem der biskuitähnliche, allerdings recht teure, Kuchen angeboten.

Eine Tierhandlung in einer Shoppingmall bietet kleine Hunde und Katzen an. 1200 € kostet ein Stubentiger.

Nach militärischen Streitereien lokaler Feldherren gerieten 1587 die Christen in den Konflikt. Zum einen, weil die Geschäftsbeziehungen Konkurennten ein Dorn im Auge war, zum anderen weil die Christen intolerant gegenüber lokalen Religionen waren. 1597 wurden 26 Christen (Märtyrer von Nagasaki) aus verschiedenen Teilen Japans nach Nagasaki gebracht und dort gekreuzigt. 1614 wurde das Christentum ganz verboten, Missionare und katholische Fürsten wurden verschleppt. Nach Ende des Shimabara-Aufstand (siehe Beitrag von gestern) wurden alle Portugiesen des Landes verwiesen. Die Konkurrenz von der niederländischen Ost-Indien-Kompanie nahm statt dessen in Nagasaki Quartier und war lange Jahre der wichtigste Anlaufpunkt für Europäer, Chinesen sowie Japaner, die Beziehungen nach Europa und China unterhielten.
Nagasaki bekam dadurch eine herausragende Rolle als Kontaktpunkt für Wissenschaft, Technik und Sprachkundige. Mit dem Ende des Shogunats 1868 öffnete sich Japan erneut dem Westen, Nagasaki wurde umfassend modernisiert und ein Zentrum für den Schiffbau.
Mindestens 15 christliche Familien im Ortsteil Urakami haben sich bis zum Ende des Shogunats ihren Glauben erhalten, diese bringt man mit der Wiederbelebung des Christentums in Japan in Verbindung. In der japanischen Gesellschaft spielt das Christentum (1%) jedoch keine Rolle. Auch die anstehenden Osterfeierlichkeiten haben hier keine Bedeutung. Weihnachten wurde vom Handel allerdings inzwischen als Gelegenheit für große Umsätze ausgemacht, man feiert und schenkt auch, aber nicht in der Tradition der Europäer.

Durch die Portugiesen wurden den Einheimischen einst als Dank die ersten Feuerwaffen Japans in Nagasaki geschenkt. Wie grausam Waffen sein können, erfuhr Nagasaki spätestens 1945, als die zweite Atombombe, die im Kriegseinsatz verwendet wurde, über Urakami explodierte.

Ursprünglich war Nagasaki nicht auf der Liste der potentiellen Atombombenziele. Nachdem die ehemalige Hauptstadt Kyoto vom damaligen US Verteidigungsminister Stimson verschont wurde, kam Nagasaki wegen seiner Rüstungsindustrie als mögliches Ziel in Frage. Die Entscheidung vor dem Abwurf der zweiten Atombombe fiel auf Kokura, 100 km nordöstlich. Da das Wetter dort einen Angriff verhinderte, wurde das Ausweichziel Nagasaki angesteuert. Das eigentliche Ziel, die Mitsubishi-Werke, wurde um 2 km verfehlt. Dennoch zerstörte die Waffe die halbe Stadt und tötete mehr als 100.000 Menschen.

Über dieser Stelle explodierte ‚Fat Man‘. Unweit von hier ist die Atombomben-Gedenkstätte. Dort werden die Hintergründe des Abwurfes erklärt und der Opfer gedacht. Installationen mit fliessendem Wasser weisen auf den unlöschbaren Durst hin, den verstrahlte Opfer hatten.

 

Diese Karte (Nordpol in der Mitte) zeigt die 9 Länder die 2017 knapp 15.000 Kernwaffen besaßen.

Nach dem Krieg wurde die Stadt praktisch komplett neu aufgebaut – die Straßenbahn fuhr nach drei Monaten wieder – und ist heute wieder ein bedeutender Wirtschaftsstandort.

Heute gibt es Nagasakis Chinatown zu sehen (gleich hinter dem Hotel). Shinchimanchi-Chinatown ist eine der größten chinesischen Stadtteile in Japan. Hier erfand man Nagasaki-Champon, ein Gericht bei dem Gemüse, Meeresfrüchte und Fleisch gebraten, mit Stärke verdickt und mit Nudelsuppe serviert werden.

Im weiteren Verlauf sehen wir das Tempelviertel Teramachi mit dem Sofukuji-Tempel aus der chinesischen Mingzeit. Der Sofukuji Tempel wurde von chinesischen Flüchtlingen im 17. Jhd. errichtet. Hier gibt es die beiden ältesten Bauwerke in Nagasaki zu sehen. Hier lebende Chinesen feiern im Juli/ August beim Tempel das Obon-Fest.

Blick in das Innere des Sofukuji-Tempels. Bei aller Pracht kann der Tempel die Eindrücke aus dem Friedenspark nicht überdecken.

Teramachi (machi =etwa: Stadtviertel) sind nicht eigenständig, sondern sind Teil einer Jokamachi. Dies war eine Burgstadt, die im Shogunat nach 1580 entstanden.
Kleinere Fürsten (Daimyo) bekamen den Auftrag, ihre Burgen zu zentralisieren (‚jeder nur eine Burg‘). Rund um die Burg gab es verschiedene Viertel für die einzelnen Stände, zuerst die der Samurai (Samuraimachi) und deren Bedienstete, dann die für das einfache Volk, Kaufleute und Handwerker (Choninmachi). Außerhalb gab es den Bereich für Tempel und Klöster (Teramachi). Vergnügungsviertel (Hanamachi) wie in Kyoto (siehe Tag 5) waren nicht vorgesehen. Es gab auch Jokamachi ohne zentrale Burg.

Der Straßenbahnfahrer führt seine Arbeit sehr gewissenhaft durch. Einzeln verabschiedet er jeden Fahrgast (auch wenn es 30 an einer Station sind), warnt vor Kurven und ruckartigem Bremsen. Eine Fahrt kostet hier pauschal 120 Yen (ca. 90 Cent), bezahlt wird beim Aussteigen beim Fahrer. Es gibt mindestens 4 verschiedene Möglichkeiten zu bezahlen. Auch mit der IC-Card kann die Summe beglichen werden. Während der Fahrt gibt es zudem vom Band Hinweise zur allgemeinen Sicherheit. Es gibt keinen festen Fahrplan, die Zugfolge ist sehr dicht.

Weiter geht es mit der Straßenbahn (dazu übermorgen noch mehr) nach Urakami. Dort stand vor dem Atombombenabwurf die größte christliche Kathedrale Asiens. Die Kathedrale war erst 1925 fertiggestellt worden. 1959 wurde eine neue Kathedrale errichtet. Die neue Orgel wurde den 26 Märtyrern von Nagasaki gewidmet (siehe oben).

Die neue Kathedrale in Urakami. Mit dem Neubau des Gebäudes wurde 1959 begonnen. Heute war es nicht zu betreten, es fand gerade eine Beerdigungsfeier statt. Als Farbe der Trauer hat sich in Japan schwarz durchgesetzt. Der Leichenwagen vor der Kirche ist in diesem Fall dennoch weiß.

Als letztes steht heute der Glover Park, eine Art Freilichtmuseum mit Häusern im europäischen Stil auf dem Programm.

Blick vom Gloverpark auf Nagasaki (Richtung Norden). Links der Uragami-Fluss und an dessen rechtem Ufer der Nagasaki Seaside Park.

 

Dieser freundliche Herr bewacht den Ausgang des Glover Parks. Viele dieser Jobs erscheinen wenig sinnvoll. Für den Herren sieht die Welt vielleicht anders aus. Denkbar ist, das er als Angestellter seinen ursprünglichen Job verlassen hat (oder musste), weil er es in seiner Altersklasse nicht auf einen Führungsposten geschafft hat. So entgeht man der Peinlichkeit einen jüngeren Chef oder erfahreneren Mitarbeiter zu haben. Mit 700 Yen (5,40 €) pro Stunde sind solche Jobs äußerst schlecht bezahlt und reichen kaum zum Leben.

 

Eine Seilbahn führt zum 333 m hohen Mount Inasa. Vom dortigen Aussichtspunkt hat man einen besonderen Blick auf das nächtliche Nagasaki. Der Blick geht auf das Ostufer des Uragami-Flusses. Am rechten Bildrand (Süden) liegt der Glover-Garten, mittig der Stadthafen und links (Norden) Urakami.


Wissenswertes :

Beginn der Kirschblüte Nagasaki : 17. März

Geodaten:
Karte Nagasaki / geo:32.750278,129.877778
Karte Sofukuji-Tempel / geo:32.742273,129.883676
Karte Glover Park / geo:32.734444,129.86

Quellen:
Quellenverzeichnis

Japan-Rundreise 2018 – Tag 06 – Nach Koya-san

6. Tag: Von Kyoto nach Koya-san

Der letzte Tag in Kyoto beginnt wieder mit Tempelhopping, hier dem Besuch des Rengeo-in-hon-do, bekannter als Sanjusangen-do. Hierbei handelt es sich um einen buddhistischen Tempel, der ursprünglich 1164 errichtet wurde. Nach einem Brand wurde das Hauptgebäude 1266 neu aufgebaut.

Im Tempel wird nicht fotografiert, von außen ist das Gebäude zu groß. An dieser Stelle, passend zum Wintereinbruch in Norddeutschland, ein Bild mit vier verschiedenen Blüten vom Tempelgelände. Wir sehen Tulpenbaum, Kirsche in weiß und rosa und vermutlich Rhododendron.

Der Tempel wurde zu Ehren der beliebtesten buddhistischen Gottheit Kannon (Kanzeon) erbaut. Die Göttin des Mitgefühls kann im Lotus-Sutra 33 verschiedene Rollen einnehmen, der Tempel hat in der Haupthalle daher 33 Nischen. Darauf bezieht sich auch der Name Sanjusangen-do [san=3, ju=10]. Im Tempel sind 1001 lebensgroße Statuen der tausendarmigen Gottheit aufgestellt.

Jährlich fanden seit 1606 am Tempel Wettkämpfe (Tohshiya) mit dem japanischen Langbogen (daikyu) statt. Bei einer der Disziplinen geht es darum, innerhalb von 24 Stunden möglichst viele Pfeile in ein 118 m entferntes Zeil zu bringen. Der Rekord aus dem Jahr 1688 liegt bei 8133 Pfeilen. Das Langbogenschießen ist eine der wichtigsten Kriegskünste (Budo) der Samurai und konnte lange Zeit mit den aufkommenden Schusswaffen konkurrieren.

Weiter geht es am Fushimi-Inari-Schrein.
Der Schrein ist der Fuchs- und Reisgottheit Inari gewidmet. Darauf weisen die Fuchsstatuen* hin.

Ein Fuchs am Fushimi-Inari-Schrein. Ein kleiner Keramikableger wird zukünftig unsere Lebensmittelvorräte bewachen.

In Japan gibt es, wegen der großen Bedeutung von Reis zur Versorgung der Menschen, viele Inari-Schreine. Es heißt ‚Eine Mahlzeit ohne Reis ist keine Mahlzeit‘.
Ein Schrein dient dazu, einen heiligen Gegenstand (shintai), oft Schwerter oder Spiegel, aufzubewahren. Dieser Schrein ist für seine Schreintor-Alleen bekannt. Tausende im typischen scharlachrot lackierte Tore (Torii) locken viele Besucher an.

Tori in jeder Größe. Die Stifter zahlen dafür umgerechnet zwischen 1.500 und 10.000 Euro. Dafür werden die Namen auf der Rückseite der Tori vermerkt.

Das Allerheiligste des Shinto-Schreins – ein Spiegel – ist für die Öffentlichkeit sichtbar. Bei einem shintoistischen Schrein ist das normalerweise nicht der Fall.

Von Kyoto geht es mit einem Reisebus nach Koya-san. Die Strecke ist ca. 130 km lang. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf Autobahnen und weniger als 60 km/h auf den übrigen Straßen benötigt man für die Strecke 2-3 Stunden.

Ein kleiner Snack auf der Autobahn. Dieses Teilchen schmeckt Süßmäulern besser als Fischliebhabern.

Koya-san bezeichnet eine von Bergen umgebene Hochebene südlich von Osaka auf der Halbinsel Kii. Der Name geht auf einen Tempel Kongobu zurück, bezeichnet aber heute die Hochebene mit weit über 100 Tempelbauten z.T. aus dem 9 Jhd.

Anfangs von einem Mönch gegründet, entstanden nur wenige Tempel. Mit der Erstarkung des chinesisch inspirierten Shingon-Buddhismus (11. Jhd) wurden bis zu 2000 Tempel und Untertempel errichtet. Erst nach dem Ende des Shogunats 1868 ging die Bedeutung wieder zurück. Heute gibt es die besagten 100 Tempelbauten mit 600 Mönchen.

Der ganze Ort besteht aus Tempeln von klein bis riesig.

Ein Teil der Tempel bietet Übernachtungsmöglichkeiten mit vegetarischem Abendessen, diese werden auch von uns genutzt. Optional – für Frühaufsteher – ist morgen die Teilnahme an den Shingong-Ritualgebeten.

Übernachtung in der Tempelherberge Fukuchi-in aus dem 13. Jhd mit Thermalquelle in Koya-san (1/1) ohne Hauptgepäck!

Koya-san ist ein Tempelort, hier gibt es praktisch keine Geschäfte, jedoch einen Geocache :-).

Dieser sympatische Geselle be/erleuchtet und bewacht unsere Herberge, die mit Heizung, Klimaanlage und Fernseher ausgestattet ist.


Wissenswertes :

*) Bei Sendai gibt es irgendwo ein Fuchs-Dorf (Streichelzoo)

Beginn der Kirschblüte Kyoto : 22. März

Geodaten:
Karte Sanjusangen-do / geo:34.987746,135.771875
Karte Fushimi Inari-Schrein / geo:34.967188,135.773249
Karte Koya-san / geo:34.2125,135.586389

Quellen:
Quellenverzeichnis

Shintoismus – Buddhismus

Shintoismus – Buddhismus

Der Shintoismus geht auf den urjapanischen Kami-Glauben zurück. Dabei können Götter, Menschen, Gegenstände, Schwerter, Spiegel, Berge, Bäume, Flüsse – alles Verehrbare (kami) – die Projektionsfläche des Glaubens sein. All diese Dinge gelten als beseelt und werden respektvoll behandelt.
Die Kami werden in Shinto-Schreinen verehrt, die durch die bekannten Torii erreicht werden. Die heiligen Gegenstände heißen shintai und werden von der Schreingottheit bewohnt. Man bewahrt diese Gegenstände in einem Gebäude auf. Sie werden – außer bei Prozessionen – praktisch nie gezeigt (Ausnahme Fushimi Inari Schrein, Tag 6). Ein shimenawa – ein kunstvoll aus Reisstroh geflochtenes Götterseil – symbolisiert die Anwesenheit der Göttlichkeit.
In Japan gibt es 90.000 Schreine unterschiedlicher Größe. Schreine liegen oft an einer Anhöhe und sind am Schreintor (torii) zu erkennen. Mit wenigen Ausnahmen gibt es diese torii nur an shintoistischen Schreinen.
Die Besonderheit, dass viele Spiegel und Schwerter verehrt werden, geht auf eine Mythologie zurück, bei der die Sonnengöttin Amaterasu mit Hilfe eines Spiegels aus einer Erdhöhle gelockt wird. Ihr Bruder Susano-o schenkte ihr ein Schwert (Ame no murakomo no tsurugi) als Entschuldigung dafür, dass er ein Pferd nach ihr geworfen hatte. Der Ur-Ur-enkel von Amaterasu ist der erste Tenno (660 v.u.Z.). Spiegel und Schwert sollen zu den Throninsignien des Tennos gehören.
Der Shintoismus teilt sich auf in den Schrein-Shintoismus, bei dem die kami verehrt werden und den Sekten-Shintoismus. Hierbei handelt es sich um viele verschiedene Richtungen, bei denen eine Heilslehre o.ä. verfolgt wird. Oberhaupt der Shintoreligion will der Tenno sein, jedoch ordnen sich nicht alle Schreine dem unter.

Der Buddhismus hat seine Ursprünge im Norden des heutigen Indiens, und entstand um 400 v.u.Z. Über China und Korea erreichte die Religion 800 Jahre später Japan. Während in China und Indien dem Buddhismus aus anderen Religionen Konkurrenz erwuchs, konnte er sich in Japan gut ausbreiten und wurde besonders während des Shogunats gefördert.

Der Buddhismus verkürzt bedeutet etwa: ‚Alles Irdische ist endlich und führt zu Leid, nur die Einsicht in die Wahrheit des Buddhas führt zur Unendlichkeit und befreit vom Leid. An sich ist man im ewigen Kreislauf des Irdischen gefangen, sollte aber danach streben, den Kreislauf zu verlassen und das Nirwana zu erreichen.‘ Die höchste Daseinsform ist der Buddha.
Es gibt eine Unzahl an buddhistischen Schulen und Richtungen. Üblicherweise sind diese tolerant, auch gegenüber anderen Göttern (z.B: kami), nur nicht gegenüber intoleranten Religionen (siehe Tag 9, Christenkonflikt). Buddhistische religiöse Stätten sind Tempel, man erkennt sie an der Endsilbe -ji, -in oder -san. Diese dienen den Mönchen zur Ausübung ihrer Arbeit und zum Wohnen. Der Tourist sieht oft nur die Buddhastatuen oder die Gebäude von außen.
Tempel haben meist einen quadratischen Grundriss, mit 4 Toren und Wächterfiguren, Haupthalle, Pagode (es gibt auch Schreine mit Pagoden), Glocke und Nebengebäude. Viele dieser Gebäude sind aus Holz gebaut und widerstehen damit besser Erdbeben.
Daneben gibt es in vielen Tempeln shintoistische Schreine, die den Gottheiten gewidmet sind, die den Tempel beschützen. Einige Tempel besitzen auch die aus dem Shintoismus bekannten Torii.

Besonders in der Zeit des Shogunats wurde jedoch der vor 1700 Jahren eingeführte Buddhismus gefördert (Koya-san, Tag 6). Erst mit der Meiji-Restauration wurde versucht, den Shintoismus wieder zu fördern.
Beide Hauptreligionen koexistieren heute, wobei der Buddhismus weiter verbreitet scheint. Durch chinesische Einflüsse sind beide Religionen mit Elementen des Daoismus und Konfuzianismus versetzt.

Bedienungsanleitung für Schreine und Tempel

Das Ritual beim Besuch von Schreinen und Tempel ist sehr ähnlich, die wichtigsten Punkte kann man so zusammenfassen:

Das Gelände wird durch ein Tor (tori)  betreten, das rechts und links von Wächterstatuen (Hunde) bewacht wird. Kopfbedeckungen werden abgenommen und man verbeugt sich. Hier verlässt man die irdische Welt und betritt die Sphäre des Gottes. Das geöffnete und geschlossene Maul der Wächter deutet auf den Anfang und das Ende hin. Passiert man das Tor, so sollte man sich an den Seiten aufhalten, die Mitte ist für die Gottheit reserviert. Das gilt z.T. auch für Treppen.
Üblicherweise folgt eine Waschstelle, die in bestimmter Reihenfolge genutzt wird: Linke Hand mit der Kelle abspülen, rechte Hand, Mund (ohne Kelle zu berühren), wieder linke Hand und anschliessend die Kelle säubern. Somit ist die notwendige Reinheit für die weiteren Schritte gegeben.

Nur bei Tempeln folgt jetzt der Weihrauch, der heilende Kräfte verbreitet. Dazu legt man ein kleines Geldstück ab, nimmt ein Räucherstäbchen, entzündet dieses, steckt es in den Sand und löscht die Flamme durch Fächeln. Wedelt man den entstehenden Rauch zu sich, werden die heilenden Kräfte aktiviert.

Jetzt kann man zum eigentlichen Schrein oder Tempel gehen. Dort wirft man ein kleines Geldstück in die dafür vorgesehene Kiste, verbeugt sich (Tempel), betätigt die Klingel (Schrein 1-2 mal, Tempel 2-3 mal). Damit wird die Gottheit gerufen. Im Schrein folgen 2 Verbeugungen und zweimaliges Händeklatschen (damit wird die Gottheit auf einen aufmerksam gemacht). Mit geneigtem Haupt und gefalteten Händen wird lautlos ein anstehender Wunsch vorgetragen. Hier sollte man auch einen Dank nicht vergessen. Im Anschluss erfolgt eine weitere Verbeugung.

Verlässt man später das Gelände wieder, dreht man sich nach Passieren des Tors sich noch einmal um und verbeugt sich.

Auf dem Gelände kann man kleine vorbedruckte Holztafeln (ema) kaufen (500 Yen), auf denen weitere Bitten formuliert werden können. Diese werden vor Ort aufgehängt und von Zeit zu Zeit abgemacht und verbrannt. Der Rauch gelangt in den Himmel zur Gottheit. Diese versteht alle Sprachen und tut ihr Bestes. Mit einem Wunschbrief (kigabun) wird ähnlich verfahren, dort wird meist noch etwas Geld eingesteckt.
Daneben gibt es verschiedene Glücksbringer, die nach Themen sortiert (z.B. yakujo – Übel abwenden) erworben werden können. Manchmal gibt es auch Wahrsagungen, die neben Segnungen auch Flüche (oft um Neujahr) enthalten. Flüche kann man sofort an Wand oder Baum binden. Bei nächster Gelegenheit werden diese verbrannt und beseitigen (hoffentlich) den Fluch.

Mit einem optionalen Siegelbuch kann man auf Stempeljagd gehen und sich bei jedem größerem Schrein oder Tempel ein neues Souvenir holen. Diese Stempel gibt es auch an anderen Sehenswürdigkeiten oder Bahnhöfen.

Ein buddhistischer Tempel hat noch eine Glocke, die bei Alarm oder zur Meditation geschlagen wird. Wenn beim Jahreswechsel die Glocke 108 mal angeschlagen wird, sollen damit die 108 irdischen Sünden des letzten Jahres vertrieben werden. Seit Ende 2017 verlangen Geldautomaten von 7-Eleven bei Geldausgaben bis 20.000 Yen eine Gebühr von 108 Yen. Bestimmt kein Zufall, sondern eine Sünde … (ja,ja 8% Umsatzsteuer)

Shogunat

Mit dem Shogunat werden die Zeitabschnitte der japanischen Geschichte bezeichnet, in den die Regierungsgewalt statt vom Tenno, von Shogunen ausgeübt wurde. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Militärregierung.

Von 1185 bis 1333 führte das Kamakura-Shogunat. Der schwache Tenno ernannte Minamoto no Yorimoto zum Seji Taishogun, ein Titel, der später vererbt wurde. Japan wurde von den Shogunen aus Kamakura regiert. Shugo, später Daimyo, sicherten die Aufsicht der Provinzen. Nach den mongolischen Invasionsversuchen verlagerten sich die Machtverhältnisse wieder zum Tenno. Legitime, jedoch nicht erbberechtigte Kinder verschiedener Tennos wurden der Familie Minamoto zugeordnet.

1333-1336 Kemmu-Restauration. Der Tenno versuchte erfolglos die Kaiserherrschaft wieder herzustellen, verursachte dabei jedoch die Spaltung des Kaiserhofes, die 60 Jahre andauerte.

1338-1573 Das Muromachi- bzw. Ashikaga-Shogunat übernahm die Macht, konnte sie aber nicht festigen. In der Folge zersplitterte die Macht, viele Kriege und Schlachten waren die Folge.

1573-1603 In der Azuchi-Monoyama-Zeit konnten die Provinzen wieder zusammengeführt werden, die Samurai bekamen mehr Macht.

1603-1867 Tokugawa- oder Edo-Shogunat. Nach der Befriedung des Landes und dem weitreichenden Einreiseverbot für Ausländer isolierte sich Japan bis zur erzwungenen Öffnung durch die Amerikaner 1853.

1868 beendete die Schlacht von Toba-Fushimi zwischen dem letzten Shogun und dem Tenno Meiji das Shogunat. Die Autorität des Shogunat hatte in den letzten 15 Jahren (Bakumatsu) durch die Öffnung nachgelassen.

Daimyo waren Stellvertreter des Shogun in den jeweiligen Provinzen und wurden mit Grundbesitz ausgestattet. Um zu verhindern, das die Daimyo allzu große Selbständigkeit erlangten, mussten sie in der Edo-Zeit ihre Familien als Geisel beim Shogun lassen und wurden regelmäßig zur Berichterstattung in die Hauptstadt zitiert. Je nach dem Verhältnis der Daimyo zum Tokugawa-Shogunat wurden sie in verschiedene Klassen eingeteilt. Die unterste Schicht (Tozama-Daimyo), die kein Amt im Shogunat erhielten, löste auch den Staatsstreich nach der Öffnung Japans aus.

Kurze Geschichte Japans

Eine kurze Geschichte Japans

etwa 15000 v.u.Z. : Jomon-Periode, erste Menschen eingewandert
ab 900 v.u.Z. : Yayoi-Periode, japanische Bronze- und Eisenzeit

In die Yayoi-Periode fällt das offizielle Gründungsdatum Japans 660 v.u.Z.. Hier beginnt auch die Geschichte der legendären Tennos. Gesicherte Erkenntnisse über die Tennos gibt es jedoch erst ab dem 5.Jhd. Die Amtszeit eines Kaisers wird immer mit einer Bezeichnung (nengo) versehen. Diese wird bei vielen Zeitangaben genutzt (z.B. Meiji-Zeit). Auch wenn die Tennos nicht die Regierungsgewalt ausübten, werden diese Bezeichnungen verwendet. Der aktuelle Tenno Akihito wird im April 2019 abdanken. Das Motto seiner Amtsperiode lautet Heisei (平成, Frieden überall)

ab 300 v.u.Z. : Kofun-Periode, Aufkommen des Shintoismus, Yamato-Reich entsteht im Süden Honshus und Kyushus
nach 300 : Yamato-Reich erobert Teile Koreas, dadurch Handelsbeziehungen auf den Kontinent, chinesische Einflüsse auf japanische Kultur, Übernahme des Buddhismus, Etablierung des ersten Staatswesens.
nach 600 : erste Verfassung, erste Münzen
ab 710 : Nara-Periode, Zentralstaat wird gegründet, Hauptstadt ist Nara (Tag 3). In vielen Teilen des Staatswesens wurde eine Rechtsordnung nach chinesischem Vorbild eingeführt.
nach 794 : Heian-Periode, Kyoto wird Hauptstadt (Tag 4-6), faktische Machtübernahme durch die Adelsfamilien Fujiwara, Taira und Minamoto
nach 1185 : Kamakura-Periode, Minamoto no Yorimoto wird 1192 zum Shogun und installiert die Zeltregierung (bakufu), Beginn des Shogunats, der Kaiser hat keinen Einfluss mehr, Kamakura wird Hauptstadt (Tag 14).
nach 1280 : scheitern mongolische Invasionsversuche, einer durch einen Sturm (kamikaze – Götterwind)
nach 1333 : Muromachi-Periode, 60 Jahre lang existieren zwei Kaiserhöfe (Nord/ Süd), während des Ashikaga-Shogunats wird Kyoto erneut Hauptstadt, viele Kriege zerrütten bis 1570 das Land.
um 1540 : die ersten Portugiesen kommen nach Japan, Anfang der Christianisierung
1590 wird das Reich durch Hideyoshi wieder befriedet, es folgen mehrere erfolglose Versuche Korea zu erobern.
1603-1868 : Tokugawa oder Edo-Periode. In dieser Zeit wurde Edo, aus dem das heutige Tokio hervorging, Hauptstadt. Mit 250 Jahren die bislang längste Friedensperiode in Japan.
1637 Shimabara-Aufstand, Bauernaufstand in der Folgezeit schottet sich Japan von außen ab. (Tag 8)
1854-1867 : Amerikanische Schiffe (4 schwarze Schiffe, kurobune) erzwingen Öffnung Japans, die schwache Reaktion des Shogunats führt zur Abschaffung desselben
1868 bis 1912 : Meiji-Periode, Reformation Japans, Machtverluste der Samurai, Neuorganisation des Gemeinwesens, Übernahme großer Teile des deutschen BGB und anderer Rechtsvorschriften aus verschiedenen Ländern.
um 1900 : Japan sah sich in Konkurrenz zu Europa und strebte eine expansive Entwicklung an.
1894 : Japanisch-Chinesischer Krieg, Taiwan und Liaodong wurden besetzt
1905 : Russisch-Japanischer Krieg um Einfluss in Korea und der Mandschurei
1914 : In der Taisho-Zeit nahm Japan am ersten Weltkrieg teil und profitierte von der Niederlage Deutschlands
1926 bis 1989 : Showa-Zeit mit Kaiser Hirohito. In dieser Zeit wuchs der japanische Imperialismus rasant, wurde zerschlagen und Japan reformiert.
1937 : Japanisch-Chinesischer Krieg als Teil des zweiten Weltkriegs mit 20 Millionen Opfern
nach 1945 : Nachkriegsverfassung, der Tenno bekommt rein symbolische Aufgaben, Japan entwickelt sich zu einer der größten Wirtschaftsmächte
1989 – heute : Heisei-Zeit mit Kaiser Akihito, große Wirtschaftskrise (Ushinawerata Nijunen – Zwei verlorene Dekaden) um die Jahrtausendwende.

Japan ist heute der demokratischste Staat in Ost- bzw. Südostasien.

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