Kamakura

Japan-Rundreise 2018 – Tag 14 – Kamakura – Tokio

14. Tag: Vom Hakone N.P. über Kamakura nach Tokio

Heute geht es in das quirlige Leben der japanischen Hauptstadt Tokio. Zuvor fahren wir – laut Reisebeschreibung – jedoch zum Kawaguchi-See, einem der fünf Fuji-Seen, Teil des Weltkulturerbes. Unser Hotel in Asakawa liegt jedoch bereits am See.
Von hier aus gibt es noch einmal den einen oder anderen spektakulären Fuji-Blick – der Berg liegt südlich.

Diesem Bild fehlt ein Mt. Fuji. Gestern und in der Nacht war er noch da. Übrig ist der Berg links, auf den eine Seilbahn führt und – wir befinden uns im Nationalpark – wildelebende Affen unterwegs sind. Das spätabendliche Geocachen dort begleiteten die Schreie der Tiere.

Und schon bringt uns ein Bus nach Kamakura, dem “kleinen Kyoto”. Die Stadt ist Namensgeber des ersten, des Kamakura-Shogunats.
In der Heian-Periode blühte die Kunst im Land und es entstand unter anderem die Hiragana-Silbenschrift, eine der drei japanischen Schriften* . Der Tenno konnte in dieser Zeit seine Macht nicht halten und der Adelsfamilie Fujiwara gelang es, durch geschickte Heiratspolitik ihren Einfluss im Land und auf den Tenno auszuweiten. Auch andere Familienclans (Taira, Minamoto) steckten ihre Machtbereiche ab. Rivalitäten zwischen den Familien führten zu vielen Konflikten und mehreren Kriegen. Die Seeschlacht von Dan-no-ura (Taira 200 Schiffe / Minamoto 850 Schiffe) entschied die Konflikte zugunsten der Minamoto. Deren Anführer wurde 1192 zum erblichen sei-i-tai-Shogun ernannt und errichtete eine Militärregierung in Kamakura. Damit begann die lange Zeit des Shogunats. Die Minamotos waren die nicht thronfolgeberechtigten Kinder einiger Tennos.
Nachdem zwei Überfälle der Mongolen mit viel Wetterglück (kamikaze – göttlicher Wind) abgewehrt werden konnten, war diese Regierung nicht in der Lage, die Soldaten (Samurai) wie üblich mit Kriegsbeute zu bezahlen. Deren Herren unterstützten fortan wieder mehr den Kaiser, so dass das Shogunat zunächst 1333 gestürzt wurde. Der Kaiserhof teilte sich jedoch (Nordhof, Südhof) und konnte die Macht wieder nicht halten, so dass 3 Jahre später das nächste Shogunat in Kyoto ausgerufen wurde.

Aus der Zeit des Kamakura-Shogunats stammen die Pläne für die Errichtung des Daibutsu (Großer Buddha) von Kamakura. Dieser freistehende Buddha war ursprünglich in einem Tempel untergebracht. Dieser wurde jedoch 3 mal zerstört – das letzte Mal durch einen Tsunami 1498 – so dass man sich entschied, das Gebäude fortan wegzulassen. Die Figur ist etwas über 13 m hoch, hat ein Gesamtgewicht von über 100 Tonnen und lässt sich von innen begehen. Im Rücken der Figur – sie stellt den Buddha Amitabha dar- gibt es Aussichtsfenster. Der Daibutsu sitzt im Tempel Kotoku-in.

Es gibt nur noch eine größere Statue dieser Art. Diese haben wir bereits in Nara besucht.

Der große Budda in Kamakura.

Im Anschluss an die Besichtigung geht es in die Hauptstadt Tokio. Wir werden dort 3 Übernachtungen haben und das Programm ist gut gefüllt. Das Hotel liegt zentral im Sonderbezirk Chiyoda, dort wo sich auch der Kaiserpalast befindet, die Auswahl beim Abendessen dürfte unüberschaubar sein.


Wissenswertes :

Beginn der Kirschblüte Shizuoka : 18. März

*) Meistens werden die chinesischen Schriftzeichen (ca. 50.000 Kanji) benutzt. Für das Zeitunglesen reichen die 3000 wichtigsten Kanji. Zusätzlich gibt es die beiden Silbenschriftsysteme Hiragana und Katakana (jeweils 46 Zeichen) . Übliche Beschriftungen werden mit Kanji und für Ausländer mit der lateinischer Umschrift (Romaji) ausgeführt. Katakana wird vorwiegend für ausländische Wörter genutzt. Jedes Wort lässt sich mit jeder Schrift darstellen.

Geodaten:
Karte Kawaguchi-See / geo:35.514903,138.756639
Karte Kamakura / geo:35.319167,139.546667
Karte Kotoku-in / geo:35.316889,139.535722

Quellen:
Quellenverzeichnis

Shogunat

Mit dem Shogunat werden die Zeitabschnitte der japanischen Geschichte bezeichnet, in den die Regierungsgewalt statt vom Tenno, von Shogunen ausgeübt wurde. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Militärregierung.

Von 1185 bis 1333 führte das Kamakura-Shogunat. Der schwache Tenno ernannte Minamoto no Yorimoto zum Seji Taishogun, ein Titel, der später vererbt wurde. Japan wurde von den Shogunen aus Kamakura regiert. Shugo, später Daimyo, sicherten die Aufsicht der Provinzen. Nach den mongolischen Invasionsversuchen verlagerten sich die Machtverhältnisse wieder zum Tenno. Legitime, jedoch nicht erbberechtigte Kinder verschiedener Tennos wurden der Familie Minamoto zugeordnet.

1333-1336 Kemmu-Restauration. Der Tenno versuchte erfolglos die Kaiserherrschaft wieder herzustellen, verursachte dabei jedoch die Spaltung des Kaiserhofes, die 60 Jahre andauerte.

1338-1573 Das Muromachi- bzw. Ashikaga-Shogunat übernahm die Macht, konnte sie aber nicht festigen. In der Folge zersplitterte die Macht, viele Kriege und Schlachten waren die Folge.

1573-1603 In der Azuchi-Monoyama-Zeit konnten die Provinzen wieder zusammengeführt werden, die Samurai bekamen mehr Macht.

1603-1867 Tokugawa- oder Edo-Shogunat. Nach der Befriedung des Landes und dem weitreichenden Einreiseverbot für Ausländer isolierte sich Japan bis zur erzwungenen Öffnung durch die Amerikaner 1853.

1868 beendete die Schlacht von Toba-Fushimi zwischen dem letzten Shogun und dem Tenno Meiji das Shogunat. Die Autorität des Shogunat hatte in den letzten 15 Jahren (Bakumatsu) durch die Öffnung nachgelassen.

Daimyo waren Stellvertreter des Shogun in den jeweiligen Provinzen und wurden mit Grundbesitz ausgestattet. Um zu verhindern, das die Daimyo allzu große Selbständigkeit erlangten, mussten sie in der Edo-Zeit ihre Familien als Geisel beim Shogun lassen und wurden regelmäßig zur Berichterstattung in die Hauptstadt zitiert. Je nach dem Verhältnis der Daimyo zum Tokugawa-Shogunat wurden sie in verschiedene Klassen eingeteilt. Die unterste Schicht (Tozama-Daimyo), die kein Amt im Shogunat erhielten, löste auch den Staatsstreich nach der Öffnung Japans aus.

Kurze Geschichte Japans

Eine kurze Geschichte Japans

etwa 15000 v.u.Z. : Jomon-Periode, erste Menschen eingewandert
ab 900 v.u.Z. : Yayoi-Periode, japanische Bronze- und Eisenzeit

In die Yayoi-Periode fällt das offizielle Gründungsdatum Japans 660 v.u.Z.. Hier beginnt auch die Geschichte der legendären Tennos. Gesicherte Erkenntnisse über die Tennos gibt es jedoch erst ab dem 5.Jhd. Die Amtszeit eines Kaisers wird immer mit einer Bezeichnung (nengo) versehen. Diese wird bei vielen Zeitangaben genutzt (z.B. Meiji-Zeit). Auch wenn die Tennos nicht die Regierungsgewalt ausübten, werden diese Bezeichnungen verwendet. Der aktuelle Tenno Akihito wird im April 2019 abdanken. Das Motto seiner Amtsperiode lautet Heisei (平成, Frieden überall)

ab 300 v.u.Z. : Kofun-Periode, Aufkommen des Shintoismus, Yamato-Reich entsteht im Süden Honshus und Kyushus
nach 300 : Yamato-Reich erobert Teile Koreas, dadurch Handelsbeziehungen auf den Kontinent, chinesische Einflüsse auf japanische Kultur, Übernahme des Buddhismus, Etablierung des ersten Staatswesens.
nach 600 : erste Verfassung, erste Münzen
ab 710 : Nara-Periode, Zentralstaat wird gegründet, Hauptstadt ist Nara (Tag 3). In vielen Teilen des Staatswesens wurde eine Rechtsordnung nach chinesischem Vorbild eingeführt.
nach 794 : Heian-Periode, Kyoto wird Hauptstadt (Tag 4-6), faktische Machtübernahme durch die Adelsfamilien Fujiwara, Taira und Minamoto
nach 1185 : Kamakura-Periode, Minamoto no Yorimoto wird 1192 zum Shogun und installiert die Zeltregierung (bakufu), Beginn des Shogunats, der Kaiser hat keinen Einfluss mehr, Kamakura wird Hauptstadt (Tag 14).
nach 1280 : scheitern mongolische Invasionsversuche, einer durch einen Sturm (kamikaze – Götterwind)
nach 1333 : Muromachi-Periode, 60 Jahre lang existieren zwei Kaiserhöfe (Nord/ Süd), während des Ashikaga-Shogunats wird Kyoto erneut Hauptstadt, viele Kriege zerrütten bis 1570 das Land.
um 1540 : die ersten Portugiesen kommen nach Japan, Anfang der Christianisierung
1590 wird das Reich durch Hideyoshi wieder befriedet, es folgen mehrere erfolglose Versuche Korea zu erobern.
1603-1868 : Tokugawa oder Edo-Periode. In dieser Zeit wurde Edo, aus dem das heutige Tokio hervorging, Hauptstadt. Mit 250 Jahren die bislang längste Friedensperiode in Japan.
1637 Shimabara-Aufstand, Bauernaufstand in der Folgezeit schottet sich Japan von außen ab. (Tag 8)
1854-1867 : Amerikanische Schiffe (4 schwarze Schiffe, kurobune) erzwingen Öffnung Japans, die schwache Reaktion des Shogunats führt zur Abschaffung desselben
1868 bis 1912 : Meiji-Periode, Reformation Japans, Machtverluste der Samurai, Neuorganisation des Gemeinwesens, Übernahme großer Teile des deutschen BGB und anderer Rechtsvorschriften aus verschiedenen Ländern.
um 1900 : Japan sah sich in Konkurrenz zu Europa und strebte eine expansive Entwicklung an.
1894 : Japanisch-Chinesischer Krieg, Taiwan und Liaodong wurden besetzt
1905 : Russisch-Japanischer Krieg um Einfluss in Korea und der Mandschurei
1914 : In der Taisho-Zeit nahm Japan am ersten Weltkrieg teil und profitierte von der Niederlage Deutschlands
1926 bis 1989 : Showa-Zeit mit Kaiser Hirohito. In dieser Zeit wuchs der japanische Imperialismus rasant, wurde zerschlagen und Japan reformiert.
1937 : Japanisch-Chinesischer Krieg als Teil des zweiten Weltkriegs mit 20 Millionen Opfern
nach 1945 : Nachkriegsverfassung, der Tenno bekommt rein symbolische Aufgaben, Japan entwickelt sich zu einer der größten Wirtschaftsmächte
1989 – heute : Heisei-Zeit mit Kaiser Akihito, große Wirtschaftskrise (Ushinawerata Nijunen – Zwei verlorene Dekaden) um die Jahrtausendwende.

Japan ist heute der demokratischste Staat in Ost- bzw. Südostasien.

Karte Kotoku-in

geo:35.316889,139.535722

Karte Kamakura

geo:35.319167,139.546667

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