Hiroshima

Japan-Rundreise 2018 – Tag 11 – Hiroshima-Okayama-Takayama

11. Tag: Von Hiroshima über Okayama nach Takayama

In allen Hotels gab es ein Frühstück, mit dem Europäer etwas anfangen können. Das Hiesige sieht so aus. Natürlich werden auch japanische Sachen angeboten. Dabei könnte man die eine oder andere Überraschung erleben. Eventuell gibt es Natto, fermentierte Sojabohnen mit spezieller Konsistenz und polarisierendem Geschmack. Aber auch bei einfachen Sachen ist Vorsicht geboten. ‚Soft Boiled Eggs‘ sind sehr, sehr soft und zum Einrühren in die Suppe gedacht.

Besuch der Atombombengedenkstätte. Das Gebäude der alten Industrie- und Handelskammer blieb stehen, da die Druckwelle fast senkrecht einwirkte. Hier etwa liegt Ground-Zero-Hiroshima. Die (von oben markante) Brücke in der linken Bildhälfte war der Zielpunkt für den Abwurf der amerikanischen Massenvernichtungswaffe.

Im Grunde fällt einem nichts mehr ein wenn man die Bilder im Friedenspark und Peace Memorial Museum sieht. Der Umgang der Täter und Opfer miteinander und mit ihrer Geschichte macht sprachlos. Im Bild das Kinderfriedensdenkmal. Am unteren Bildrand, hinter den Menschen, stehen Häuschen mit gespendeten Kranichen aus der ganzen Welt. Der Papierkranich aus dem gestrigem Beitrag befindet sich jetzt hier.

Am heutigen Ostermontag verlassen wir Hiroshima, die Stadt mit dem längsten Straßenbahnnetz Japans.
6 Straßenbahnlinien fahren auf einem Streckennetz mit einer Gesamtlänge von 35 Kilometern. Der Betriebsstart erfolgte 1912, die letzte Netzerweiterung war 2003. Nach dem Atombombenabwurf fuhren die erste Wagen der Hiroden genannten Bahn bereits nach 3 Tagen wieder. Noch heute sind zwei Bahnen (651, 652) aus dieser Zeit im Liniendienst, eine dritte (653) wurde vor einigen Jahren als mobiles Museum hergerichtet.

Eine Straßenbahn erzählt aus ihrer Geschichte. In einem Kinderbuch berichten alte Straßenbahnen ihren jüngeren Geschwistern, wie sie den Atomschlag überstanden.

Japan pflegt ein besonderes Verhältnis zu seinen Bahnen, vielleicht weil hier der Hang zum Perfektionismus so gut umgesetzt werden kann und es allerlei zu regulieren gibt.
Insgesamt 20 Städte haben noch eine Straßenbahn, es waren mal deutlich mehr. Auf unserer Reise gehören Osaka, Nagasaki, Hiroshima, Okayama und Tokio dazu. Dort gibt es von ursprünglich 213 Streckenkilometern nur noch 17 Kilometer mit 40 Stationen, die von 2 Linien bedient werden.

Die Straßenbahn in Hiroshima. Die Nummerierung gibt Aufschluß über das Alter der Fahrzeuge. In unserem Programm war keine Fahrt vorgesehen. Viele Strecken werden ohnehin zu Fuß zurückgelegt. Der Schrittzähler zeigte in den letzten 10 Tagen täglich durchschnittlich 16.000 Schritte an.

Vor 70 Jahren stand hier nichts mehr. Das alte Stadtzentrum wurde komplett ausradiert und auch nicht wieder aufgebaut. Entgegen aller Vorhersagen wuchsen nach wenigen Monaten wieder die ersten Pflanzen. Die Pflanzen und die Stadt erblühte neu. Heute feiern Menschen unbeschwert unter alten Kirschbäumen Hanami, das japanische Kirschblütenfest auf den typischen blauen Matten. Hier prosten sich gerade alle zu. Kampai! Vieleicht die beste Art, ‚Ja‘ zum Leben zu sagen. Links die Mauern vom Peace Memorial Museum.

Ein letztes Mal bringt uns der Sakura-Superexpresszug, heute mit der Nummer 548 durch Japan. Von Okayama nach Nagoya wird es dann der Hikari sein und die allerletzte Zugfahrt der Reise unternehmen wir mit einer kleinen Lokalbahn (Hida).

Das erstes Zwischenziel heute ist die Burgstadt (Jokamachi) Okayama – wieder eine Stadt mit Straßenbahn (2 Linien, 5 Kilometer) – und besuchen den Korakuen-Garten. Dieser liegt nicht weit vom Bahnhof entfernt am Asahi-Fluss und zählt zu den berühmtesten drei Gärten Japans (japanischer Wandelgarten). Der Garten erfüllt die Forderungen an einen perfekten Garten (Weitläufigkeit, Abgeschiedenheit, Kunstfertigkeit, Althergebrachtes, Fließendes und Panoramablick) entsprechend eines antiken Lehrbuches. Viele Wandelgärten entstanden wegen des Drucks auf Reiche, ihr Geld auszugeben. Somit sollte der soziale Frieden in der Zeit des Shogunats bewahrt werden.

Ein Paar oder professionelle Fotomodelle? Die Motive bei strahlendem Sonnenschein werden bestimmt ein Blickfang.

Game Over. Wenn die weißen Blätter fallen, ist das achte Achtel der Kirschblüte erreicht. Im großartigen Garten in Okayama gab es noch einmal ein großes Publikum. Der Garten kommt hier leider (noch) etwas zu kurz, zu Unrecht. Das Goshinko-Festival haben wir um einen Tag verpasst. Dabei kommt eine ca. 1km lange kostümierte Prozession am Garten vorbei.

Weiter geht es mit dem Shinkansen Richtung Osten. Die Bahnfahrt führt uns an Osaka und Kyoto vorbei (hier waren wir in der ersten Woche) nach Nagoya und von dort mit der Bahn Richtung Norden nach Takayama.

Auf der Fahrt von Okayama nach Nagoya kamen wir auch noch einmal an Osaka vorbei. Dabei war aus dem Shinkansen kurz das Umeda-Sky-Building zu sehen. Am zweiten Tag unserer Reise waren wir dort schon einmal in 173 m Höhe.

Das Hotel liegt etwas ausserhalb der Stadt (Chishimachi) auf einem Hügel, sollte das Hotel kein brauchbares Restaurant haben, ist das nächste Lokal zwar nur 400 Meter entfernt, durch den Hügel und die Serpentine werden es wohl 2 Kilometer werden.

Für den Liebhaber maritimer Leckereien hält diese Bento-Box eine reichhaltige Auswahl bereit. Viele Japaner bauen sich ihre Bento-Box für die Mittagsmahlzeit selbst zusammen, andere greifen zum reichen Angebot in den Geschäften. Diese Box kostet im Bahnhof von Nagoya 980 Yen (7,5 €), alternativ gibt es hier auch ein Geschäft namens Macu Donaldu. Ein BigMac kostet hier 390 Yen (3 €).

Baustellenabgrenzungen werden von kleinen Haltern getragen. Oft haben die Hüter die Gestalt einer Figur oder lokalen Maskottchens. Diese Ausführung gab es in blau und rosa. Der graue Kasten beschallte die Umgebung der Baustelle auch nachts mit sicher wichtigen Informationen über Vorsichtsmaßnahmen (Helmpflicht) und den sich ergebenden Pflichten für Passanten. Das Finden eines Geocaches wurde so akustisch untermalt.


Wissenswertes :

Beginn der Kirschblüte Hiroshima : 23. März

Geodaten:
Karte Okayama / geo:34.655278,133.919444
Karte Korakuen-Garten / geo:34.667664,133.935056
Karte Nagoya / geo:35.181389,136.906389
Karte Takayama / geo:36.146153,137.25215

Quellen:
Quellenverzeichnis

Japan-Rundreise 2018 – Tag 10 – Von Nagasaki nach Hiroshima

10. Tag: Von Nagasaki nach Hiroshima

In Europa ist heute Ostersonntag, jedoch spielt das in Japan keine Rolle (siehe Beitrag von gestern).

Dieser Hase hat nichts mit Ostern zu tun. Einige Geschäfte versuchen sich zwar an Osterdekoration, hier sieht man jedoch eine Art Glückshasen vor Kirschblüten.

Außerdem ist heute der erste April und auch im Kaiserreich ein Grund für Scherze. Mal sehen, ob wir Scherze und verrückte japanische Ideen auseinanderhalten können. Ein Aprilscherz der letzten Jahre – eine eigene Insel für Katzen – soll jetzt Realität werden. Auch die Kombination Sushi und Kit-Kat ist zwischenzeitlich realisiert worden. Optisch als Thunfisch-, Seeigel- oder Omlettsushi zurechtgemacht, gab es Kitkat mit weisser Schokolade und Reiswaffel. Rosafarbene Sakura-Pepsi gab es auch schon in der Realität.

Bis auf Nachrichten, Wetterbericht, Werbung und einigen Kindersendungen ist das japanische Fernsehen für Europäer unverständlich. Hier gibt es die Kindersendung みいつけた! (Miitsuketa etwa Ich habs) , in der sprechende Stühle und Kakteen eine tragende Rolle spielen. Der hellblaue Stuhl heißt etwa Kossi, Cotsshy oder Kothy. Eine weitere Rolle spielt Herr Sabo, ein erwachsener Kaktus. Die Sendung richtet sich an Kleinkinder und ihre Eltern.

Heute steht eine Bahnfahrt auf dem Programm, es geht über Fukuoka nach Hiroshima. Mit dem Shinkansen wird die Fahrt etwa 4 Stunden dauern.

Dieser Shinkansen-Superepresszug brachte uns nicht weiter, sieht aber auch ganz flott aus. Transportmittel waren heute die Fähre, die Lokalbahn, der Sakura-Superexpresss (Shinkansen) und mehrmals das Taxi

Im Hotel wurden wir auf neumodische japanische Art und Weise begrüßt. Die Fähigkeiten von Pepper – so heißt der 1500€ Roboter von Softbank – kamen jedoch nicht richtg zur Geltung.

Hiroshima liegt wieder auf der Hauptinsel Honshu und hat über eine Million Einwohner. Die Geschichte der Stadt geht zurück bis ins 13. Jhd..

Die Karpfenburg in Hiroshima soll ein besonders schöner Ort in der Kirschblütenzeit sein.

Die Karpfenburg in der Nacht. Wider Erwarten waren die Kirschbäume nicht erleuchtet. Bei bestem Wetter war der umliegende Park um 21:00 Uhr Sonntagsabends fast menschenleer. In Japan wird morgen normal gearbeitet.

Sie ist die Keimzelle, aus der die Stadt wuchs. Hiroshima wurde ein regionales Zentrum. Durch Ausbau des Hafens und Anschluss an das Eisenbahnnetz wuchs die Bedeutung der Stadt weiter. 1945 lebten in Hiroshima eine viertel Million Menschen. 80% der Stadt (auch die Karpfenburg) wurden zum Ende des 2. Weltkrieges beim ersten Kernwaffeneinsatz zerstört. Der Angriff tötete im Verlauf der Jahre insgesamt bis zu 250.000 Menschen. (siehe auch Beitrag von gestern)

Nach Kriegsende und Wiederaufbau wuchs die Stadt weiter und erreichte 1981 die Millionenmarke bei der Einwohnerzahl (heute 1,3 Mio.).

Unser erster Ausflug führt uns auf die Insel Miyajima, ungefähr 15 km vor der Stadt in der Hiroshima Bucht. Die Insel erreichen wir per Fähre. Hier gibt es den wohl schönsten Schrein (Itsukushima-Schrein) Japans zu sehen. Der Schrein wurde 1168 errichtet, der Zugang war lange für einfache Bürger nicht möglich.
Berühmt ist das bei Flut im Wasser stehende 6-beinige Schreintor. Das Torii ist 16 m hoch, besteht aus Campherholz und ist fast 140 Jahre alt.

Das berühmteste Tori Japan. Im Vordergrund ein Sika-Hirsch. Die Tiere sind hier neugierig und diebisch. In Nara gab es ebenfalls diese Tiere zu sehen.

Name vergessen. Gab es auch mit Octopus, Ingwer, Zwiebeln, Käse oder Lotoswurzel.

Das erste Hochwasser ist heute um 10:19 Uhr (Werte von Minami-ku) zu erwarten, bei Ebbe kann man eventuell auch zum Torii laufen. Auf der Insel gibt es den Berg Misen (533 m) mit Seilbahn und frei herumtollenden Japanmakaken. Ein typisches Mitbringsel ist Shamoji, eine Reiskelle.

Wieder in Hiroshima geht es zum Friedenspark. Der Park befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Ground Zero von 1945. Hier findet jährlich die Zeremonie zum Gedenken an die Opfer des Kernwaffenangriffs statt und hier steht das Kinderfriedensdenkmal, das an Sadako Sasaki erinnert, deren Traum es war, sich mit 1000 gefalteten Papierkranichen von den Strahlungsfolgen zu befreien. Sie starb 1955 an Leukämie.

Der Friedenspark mit der Atombombenkuppel direkt aus dem Hotelfenster (11.Stock) fotografiert. Der Besuch findet erst morgen statt.

So sieht ein Papierkranich aus. Er entsteht aus einem quadratischen Stück Papier. Den Schwanz ist normalerweise etwas weniger steil.

Das Hotel ist nur 500 m vom Denkmal und 1,5 km von der Karpfenburg entfernt. Etwas östlich davon gibt es das Entertainmentviertel mit jeder Menge Essgelegenheiten, davon mehrere Okonomiyaki-Restaurants. Im ‚Okonomimura‚ gibt es gleich vier Etagen mit unterschiedlichen Restaurants. Okonomiyaki sind eine Art Omelett mit unterschiedlichen Zutaten. Zubereit wird die „japanische Pizza“ auf einer heißen Eisenplatte (hat aber nix mit Pizza gemein). Im Raum Tokio heißt eine Abwandlung Monjayaki. Dabei wird der Teig jedoch mit den Zutaten verrührt.

Das Hotel befindet sich im 3. Bezirk am Ostufer des Motoyasu River, gegenüber vom Friedenspark. Das Abendessen wird in einem Okonomiyaki-Restaurant stattfinden.

Die Zubereitung des Okonomiyaki geschieht auf Wunsch. Für Vegetarier kann auch eine Variante hergestellt werden, sofern dieser über die Bestandteile des typischen Dashis hinwegsieht.


Wissenswertes :

Beginn der Kirschblüte Nagasaki : 17. März
Beginn der Kirschblüte Fukuoka : 19. März
Beginn der Kirschblüte Hiroshima : 23. März

Geodaten:
Karte Fukuoka / geo:33.590278,130.401667
Karte Hiroshima / geo:34.385278,132.455278
Karte Karpfenburg Hiroshima / geo:34.402778,132.458889
Karte Miyajima / geo:34.275278,132.307778
Karte Friedenspark Hiroshima / geo:34.392728,132.452372

Quellen:
Quellenverzeichnis

Karte Friedenspark Hiroshima

geo:34.392728,132.452372

 

Karte Miyajima

geo:34.275278,132.307778

Karte Karpfenburg Hiroshima

geo:34.402778,132.458889

 

Karte Hiroshima

geo:34.385278,132.455278

 

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